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01.02.2009 - Christian Ciemalla - handball-world.com
Formidable! - Frankreich stoppt Kroatien und feiert Gold

Foto: sportseye.de
Es war ein Spiel, das von der ersten Minute an die Intensität, Spannung und Atmosphäre einer packenden Schlußminute hatte. Kopf an Kopf ging es in die Schlußphase, in der Frankreich dann den längeren Atem hatte. Mit einer unglaublich aufwändigen Deckungsarbeit zermürbte der Olympiasieger den Gastgeber und setzte sich vorentscheidend ab. Kroatien war spätestens nach dem 23:19 von Fernandez am Boden, der zum wertvollsten Spieler des Turniers gewählte Igor Vori ließ sich sogar zu einer Unsportlichkeit gegen die Schiedsrichter hinreissen und kassierte Rot. Frankreich feierte den 24:19-Erfolg, bei dem Michael Guigou mit 10/7 Toren bester Werfer war. Mit dem dritten WM-Gewinn nach 1995 und 2001 ist Frankreich zugleich Nachfolger von Deutschland und fährt als Titelverteidiger zum nächsten WM-Turnier 2011 nach Schweden.

Die Spekulationen im Vorfeld des Finals über den Inhaber der Favoritenrolle waren spätestens mit dem Anwurf vergessen. Beide Teams hielten sich nicht mit einem Abtasten auf, von der ersten Minute wurde mit höchster Intensität gespielt. Petar Metlicic kassierte beispielsweise bereits in der zweiten Minute die gelbe Karte und in der dritten seine erste Zeitstrafe, erst der Blick auf die Hallenuhr versicherte, dass sich die Partie in den Anfangsminuten befand und nicht in den Schlußminuten. Eine entscheidende Phase des Spiels schien es dabei nicht zu geben, jedes Team wusste, dass eine Schwächephase gegen diesen Gegner vermutlich die Entscheidung bedeutet hätte. Beide agierten so hochkonzentriert, in der Deckung und im Angriff. Diese wurden von Beginn zumeist ausgespielt, es wurde gewartet, bis sich eine aussichtsreiche Wurfposition bot. Ein "Spektakel" sahen die Zuschauer so nicht, dafür waren die Ränge selbst verantwortlich - auf dem Parkett wurde Handball gearbeitet, auf allerhöchstem Niveau.

Kroatien und Frankreich agierten von der ersten Minute an dabei mit einer 3:2:1-Deckung, der französischen gab dabei Didier Dinart die Stabilität. Im Halbfinale hatte ihn Guillaume Gille exzellent vertreten, doch der Routinier und Abwehrexperte bewies im heutigen Finale, dass es sogar noch ein wenig besser geht. Auf der Gegenseite agierte der großgewachsene Igor Vori wie gewohnt auf der vorgezogenen Position und störte das Angriffsspiel der Franzosen oftmals erfolgreich. Cupic hatte die Hausherren von der Siebenmeterlinie in Führung gebracht und nach dem Ausgleich von Sorhaindo war es Michael Guigou, der ebenfalls per Strafwurf für die erste französische Führung sorgte. Sechs Minuten hatten beide Teams für die ersten drei Treffer des Spiels benötigt. Frankreich versuchte es dabei in der Anfangsphase immer wieder über Kreisläufer Sorhaindo, der eine engagierte Leistung bot und neben zwei Toren zahlreiche Siebenmeter herausholte.

Strafwürfe prägten das Bild auch in der Folge, der erste Treffer aus dem Rückraum gelang Jerome Fernandez erst nach zehn Minuten, auf der Gegenseite erzielte Petar Metlicic wenig später das erste Tor aus der Distanz. Als Sprem mit einem sehenswerten Treffer ins kurze Eck zum 5:4 Kroatien wieder in Führung brachte, steigerte sich die Lautstärke in der Halle noch einmal. Doch Sprem vergab wenig später die Möglichkeit auf die erste Zwei-Tore-Führung des Spiels im Gegenstoß und der dreifache Torschütze scheiterte auch in der Folge mehrfach an Omeyer. Frankreich glich so zunächst immer wieder aus und die Einwechslung von Daniel Narcisse belebte dann das Angriffsspiel des Olympiasiegers. Der Rükraumspieler brach durch und warf Frankreich beim 8:7 wieder in Front. Beide Trainer versuchten dabei nicht nur erste personelle Wechsel, auch taktisch wurden immer wieder Kleinigkeiten verändert, Abwehrsysteme angepasst und neue Strategien gesucht. Immer wieder sollte der Gegner vor neue Aufgaben gestellt werden, einen entscheidenden Vorteil konnte sich damit allerdings kein Team erspielen, weil der Gegner zunächst immer entsprechend reagierte. handball-world.com wird die Rolle der Taktik in dieser Partie morgen noch einmal eingehend analysieren.

Lackovic und Vori ließen die Führung wieder zu den Kroaten wechseln, doch Narcisse war nun nicht zu halten. An der Seite von Nikola Karabatic, der auf die Mitte gerückt war, setzte der frühere Bundesliga-Akteur die nächsten drei französischen Treffer und sorgte so dafür, dass der Olympiasieger bis zum 11:11 immer umgehend ausglich. Auf der Gegenseite holte Metlicic, der früh durch zwei Zeitstrafen belastet war, einen Siebenmeter und den nutzte Cupic, um mit einem Strafwurf für die kroatische 12:11-Pausenführung zu sorgen. Lackovic erhöhte nach dem Seitenwechsel umgehend auf 13:11, doch die Hoffnungen auf ein Absetzen des Gastgebers erfüllten sich für die heimischen Fans nicht. Omeyer war in dieser wichtigen Situation der nötige Rückhalt, am Ende entschied er das Duell gegen die kroatischen Schlußleute für sich. Glänzen konnten die Torhüter aber nur selten, zum einen, weil die Deckungsreihen wenig zuließen, zum anderen, weil die Offensivreihen die klaren Chancen suchten. Ein Hattrick von Guigou - Strafwurf, Treffer von Außen und im Gegenstoß - sorgte für das 14:13, Frankreich lag wieder in Führung.

Beide Teams bekämpften sich weiterhin auf höchstem Niveau - und mit größtenteils fairen Mitteln. Die Superstars waren dabei bislang nicht zum Zuge gekommen, Balic gelang zum 14:14 der erste Treffer - er ließ seine Klasse mit einem Wurf um die Hüfte seines Gegenspielers aufblitzen. Karabatic warf Frankreich mit seinem ersten Treffer wieder in Führung. Generell schienen die Deckungsreihen bestens auf das Standardrepertoire des Gegners vorbereitet: Frankreich gelangen nur selten Durchbrüche aus dem Rückraum, Kroatien fand nur selten Vori am Kreis. Duvnjak und Sprem ließen unterdessen die Führung wieder zu den Hausherren wechseln - einen Vorteil konnte sich aber weiterhin kein Team erspielen, zumal die Strafwürfe auf beiden Seiten weiterhin sicher verwandelt wurden - weder Michael Guigou noch Ivan Cupic leisteten sich von der Siebenmeterlinie einen Fehlwurf. Guigou sorgte dabei mit einem seiner sieben Strafwurftreffer dafür, dass Frankreich mit einem knappen 19:18 in die letzten zehn Minuten ging.

Doch nun neigte sich das Pendel zu Gunsten der Franzosen, die die größeren Kraftreserven hatten. In dieser intensiven Partie hatte sich der junge Domahoj Duvnjak aufgerieben, zumal der bereits angeschlagen ins Turnier gegangene Ivano Balic nur selten für Entlastung sorgen konnte. Kroatien lief sich immer wieder fest, vor allem Dinart hatte nun immer wieder die Hände in den Pässen oder seinen Körper vor den Angreifern. Über zehn Minuten blieben die Gastgeber ohne Treffer, Cervar versuchte es zwischendurch mit dem Außen Horvat im rechten Rückraum und mit Tonci Valcic auf der Spielmacherposition. Die Franzosen ließen sich in dieser Phase ein wenig anstecken, vergaben einige gute Möglichkeiten, früher davonzuziehen. Doch als Lackovic die kroatische Durststrecke beendete, hatte der Olympiasieger in diesen zehn Minuten zumindest drei Tore erzielte und führte so mit 21:19. Ganz Kroatien hoffte auf einen finalen Schlußspurt, ein letztes Aufbäumen ihres Teams.

Aber Frankreich dominierte nun das Spiel. Der Olympiasieger hatte die Kraft sein System weiter zu spielen, Kroatien hatte sich unterdessen aufgerieben. Kraft und Konzentration fehlten in der Offensive, während die französische Deckung weiterhin auf höchstem Niveau agierte. Kroatien versuchte mit einer offensiven 4:2-Deckung Ballverluste der Franzosen zu provozieren, doch diese stellten sich auch auf dieses System schnell ein. Metlicic scheiterte beim Versuch den Anschluß zu erzielen an Omeyer und auf der Gegenseite kreuzte Außen Abalo in den Rückraum und traf aus dem Sprungwurf zum 22:19 mitten ins kroatische Herz. Drei Minuten waren zu diesem Zeitpunkt noch zu spielen, Cervar nahm seine Auszeit. Doch die Körpersprache in dieser Auszeit sprach bereits eine deutliche Sprache - Frankreich strahlte weiterhin Stärke und Optimismus aus, Kroatien wirkte merklich angeschlagen. Frankreich hatte den Gastgeber zermürbt, hatte die bessere Physis und so das bessere Ende für sich. Lackovic verlor den Ball, auf der Gegenseite bekam Fernandez am Kreis den Ball zu fassen und sorgte mit dem 23:19 für die Entscheidung.

Frankreich feierte den Erfolg, Kroatien war am Boden. Münzen flogen auf das Parkett und ausgerechnet Igor Vori, den die IHF in der Halbzeitpause zum wertvollsten Spieler des Turniers gewählt hatte, leistete sich nun eine unsportliche Aktion. Nach vehementer Kritik an den Schiedsrichtern täuschte er einen Wurf auf den Unparteiischen an, dieser beantwortete die Bedrohung zurecht mit einer Roten Karte. Die Wut der Kroaten wich aber schnell der Enttäuschung, zumal das souverän leitende dänische Gespann Boye/Jensen sicherlich eine der besten Schiedsrichterleistungen der WM zeigte, in dieser nicht einfach zu leitenden Finalpartie. Den Franzosen war dies bereits alles egal, Narcisse sorgte noch für den 24:19-Endstand, die Schlußsekunden gingen bereits in der kroatischen Trauer und im französischen Jubel unter. "Es gibt kein Geheimnis. Es ist das Talent der Spieler, der Teamgeist. Wir haben das Turnier dominiert, und auch in dieser Partie waren wir es, die das Spiel kontrolliert haben", so Frankreichs Trainer Claude Onesta in einer ersten Stellungnahme.

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